TN Arzneistoff Einträge Bilanzierung

Arzneistoffeinträge – Befragungen und Bilanzierung der Emissionen

Das Fraunhofer ISI und die Justus-Liebig-Universität Gießen haben zu dem Vorhaben „Arzneistoffeinträge – Befragungen und Bilanzierung der Emissionen“ Erhebungen zur Herstellung, Verbrauch und Umgang von bzw. mit Arzneimitteln durchgeführt, damit mit diesen Informationen die Einträge von Arzneistoffen in die Umwelt realistisch dargestellt und bestehende Informationslücken geschlossen werden können. Das Umweltbundesamt begleitete das Vorhaben fachlich.

Bereits seit einigen Jahren werden Konzepte und Strategien erarbeitet, die zu Minderungen von Spurenstoffeinträgen in die Umwelt, vor allem in die Gewässer führen sollen. Bei einigen Stoffgruppen und Eintragsquellen fehlten jedoch bislang Abschätzungen zu Eintragsmengen und Eintragspfaden. Bei dem Vorhaben wurde sich daher auf die noch offenen Bereiche Tierarzneimittelverbräuche auf landwirtschaftlichen Betrieben und bei privaten Haushalten, auf Arzneimittelproduktionsstandorte in Deutschland und auf weitere Punktquellen für Human- und Tierarzneistoffe konzentriert.

Es wurden über eine für Deutschland nicht repräsentative Erhebung Daten zum Arzneimitteleinsatz bei Lebensmittel liefernden Tieren erhoben. Dabei stellen die Antibiotika die mengenmäßig größte Wirkstoffgruppe dar.
Zudem können Einträge in die Umwelt nach Metabolisierung und Ausscheidung aus der Weidehaltung und der Stallhaltung über Ausbringungen von Dung oder die Gülle, bzw. den Wirtschaftsdünger aus Biogasanlagen erfolgen. Aus dem Boden können Stoffe dann auch über Abschwemmung, bspw. bei starkem Regen, in Gewässer eingetragen werden. Zudem finden Auswaschungsprozesse durch Regenwasser statt, wodurch Stoffe in das Grundwasser oder Oberflächengewässer gelangen können.

Der Arzneimitteleinsatz in der privaten Tierhaltung wurde durch eine Online-Befragung erhoben. Dabei stellten sich die Wurmkuren als die häufigste Einsatzgruppe heraus. In der Fischhaltung wurden hingegen vor allem Mittel gegen Pilzerkrankungen, Parasiten an Haut und Kiemen sowie gegen Infektionen eingesetzt. Im Außenbereich können nach Metabolisierung und Ausscheidung sowie aufgrund von Fellpflege Einträge in die Umwelt erfolgen. Aus dem häuslichen Bereich können diese Einträge in das Abwassersystem über die Händereinigung nach dem Streicheln, Kraulen, durch Waschen von Textilien sowie über die Tierpflege erfolgen.

Ergebnislos blieb hingegen eine Erhebung zu Arzneimittelproduktionsstandorten in Deutschland. Eine stichprobenhafte Analyse von Nachhaltigkeits- und Umweltberichten wies auf ein vorhandenes Umweltbewusstsein hin, Detailinformationen zielten jedoch vor allem auf Maßnahmen zum Klimaschutz und Energieeinsparungen ab. Es waren keine Informationen zu Arzneistoffeinträgen in die Gewässer, möglichen umgesetzten Rückhaltemaßnahmen oder Aspekten des Gewässerschutzes aufgeführt.

Zudem wurden auch weitere Punktquellen für Human- und Tierarzneistoffe betrachtet.
In einer abschließenden Gesamtbetrachtung können die gewonnenen Daten dazu beitragen, gültige Verfahren zur Berechnung der Umwelteinträge zu überprüfen. Außerdem werden sie helfen, Berechnungsmodelle von Eintragspfaden zu überarbeiten, um so eine bessere Umweltfolgenabschätzung zu ermöglichen. Darüber hinaus dienen sie als Grundlage für konstruktive Diskussionen zu Handlungsmöglichkeiten.

Quelle: Arzneistoffeinträge – Befragungen und Bilanzierung der Emissionen | Umweltbundesamt

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