In dieser Beitragsreihe sprechen Dr.-Ing. Veronika Zhiteneva und Prof. Dr.-Ing. Jörg E. Drewes mit Prof. Dr. Hella Runge über eines der drängendsten Zukunftsthemen der Wasserwirtschaft: die gezielte Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser. Das Gespräch führt von den Grundlagen des Kreislaufprinzips über technische Verfahren und rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zu konkreten Praxisbeispielen aus Deutschland und den USA.

Zunächst wird erklärt, was Wasserwiederverwendung genau bedeutet, welche Anwendungsfelder es gibt und wie sie sich von der konventionellen Abwasserbehandlung unterscheidet. Im Fokus stehen dabei sowohl nicht-trinkbare Anwendungen wie die landwirtschaftliche Bewässerung als auch die indirekte und direkte Stützung der Trinkwasserversorgung. Anschließend werden die gesetzlichen Grundlagen beleuchtet: die seit 2023 geltende EU-Verordnung zur Wasserwiederverwendung, die kommende Bundesverordnung und das neue technische Regelwerk DWA-M 1200 mit seinen Anforderungen an Genehmigung, Risikomanagement und sichere Anwendung. Ein eigener Schwerpunkt liegt auf den Synergien zwischen der vierten Reinigungsstufe auf Kläranlagen und der Wasserwiederverwendung, die die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie ausdrücklich einfordert.

Am Beispiel Schweinfurt wird gezeigt, wie Wasserwiederverwendung in Deutschland konkret umgesetzt werden kann: von der Pilotphase über die großtechnische Realisierung bis hin zur engen Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure aus Verwaltung, Landwirtschaft und Wissenschaft. Den Abschluss bildet ein Blick nach Orange County in Kalifornien, wo seit Jahrzehnten hochaufbereitetes Wasser zur Grundwasseranreicherung genutzt wird und das zeigt, was in Deutschland noch möglich wäre.

Beiträge dieser Reihe